Warum ich aus der Kufa austrat
Um welche Kufa es sich dreht, möchte ich an dieser Stelle nicht sagen. Stellt euch einfach vor, dass jede Kulturfabrik der Welt damit gemeint sein könnte, in jeder Stadt. Ob Berlin, oder Neuwarden.
Der Beginn der Eskalation mit dem alten und dem neuen Vorstand, lag im Wunsch des Vereins langfristig eine rechtssichere Durchführung ihres Publikumbetriebs herzustellen. Das wurde so wörtlich in die neue Satzung übernommen und ich sollte als Meester da mal meinen Senf zugeben. Als langjähriges Vereinsmitglied hatte ich dafür auch die notwendige Energie.
Ich fange von hinten an. Eines aber vorweg: mein Vorhaben ist fulminant gescheitert.
Jemand vom neuen Vorstand äußerte sich in einer Chatgruppe zuletzt, dass ich mich in der Vergangenheit schon einmal mit Drohungen hervorgetan hätte. Bitte, what? Ich war geschockt.
Ich habe darauf erstmal gar nicht sofort reagiert. Was könnten die Kollegen in der Kufa damit gemeint haben? Ich las alte Mails nochmal durch und fand schließlich einen Hinweis. Ich habe der Kufa mehrmals mitgeteilt, dass die Nichtbeachtung von (feuer-)polizeilichen Vorgaben der unteren Bausaufsicht (hier bzgl. des maximalen Fassungsvermögens und des Bereichs vorbeugender Brandschutz), mit Konsequenz geahndet werden kann. Zivil- und strafrechtlicher Natur für alle Beteiligten.
Wenn man das jetzt so versteht, dass ich Kraft meiner Ursuppe damit drohe, dann lässt sich die Aussage des neuen Vorstandes nachvollziehen. Allerdings sieht der Gesetzgeber diese Konsequenz vor, wenn es zB zu Personenschaden durch überfüllte Räumlichkeiten kommen würde, oder durch einen lebensgefährlichen Stromschlag. Nicht ich. 🙂
Nichts liegt mir allerdings ferner als meinem eigenen Verein zu schaden, in dem ich zum Zeitpunkt bereits seit 12 Jahren aktiv war. Wie absurd. Ein Mitglied, das sich monatelang ehrenamtlich mit dem Thema „rechtskonforme Veranstaltungen im Vereinsumfeld“ beschäftigt hat, handelt auf jeden Fall erstmal aus Liebe zum Verein und zu den Menschen dort. Und auch ein Scheitern dieses Projektes aufgrund von ein paar Ignoranten, die fachlich völlig unqualifiziert waren, die Dinge korrekt einzuschätzen, sorgt nicht sofort dafür, dass diese Liebe schwindet.
Was die Leute in der Kufa nicht verstanden haben ist, dass in einem linken Vereinsumfeld es für mich noch mehr unverständlich ist, dass man Schutzziele nicht beachtet und nicht einmal die rudimentärsten Grundlagen aus den Betriebsvorschriften kennt, die für eine Versammlungsstätte gelten. Ob Verein oder Mehrzweckhalle ist dabei vollkommen egal. Ich stieß bei allen „Maßnahmen“, die ich innerhalb der Beratung der Kufa vorschlug, immer wieder auf die Aussage: „das umzusetzen, ist leider nicht realistisch.“
Schauen wir uns kurz an, was nicht realistisch ist. Also ist es nicht realistisch, einen Fehlerstromschutz für den Außenbereich herzustellen? Diesen kann man nämlich mit den einfachsten Mitteln baumarktgestützt herstellen. Oder es ist nicht realistisch, eine Zählung der Gäste umzusetzen, und bei dem erlaubten Fassungsvermögen zu sagen: Einlassstop? Denn das würde voraussetzen, dass die Vereine des Haues untereinander mal etwas tun, was nicht so üblich ist: miteinander reden. Und es ist nicht realistisch, dass keine leicht entzündlichen Stoffe im vereinseigenen Theater in großer Anzahl im Saal gelagert werden? Dabei gibt es einen Keller, der bereits mit allerlei Gerümpel zugestellt ist, in dem man überflüssiges oder abgespieltes Kleinstkulissen, Möbel oder Plastikstühle aufbewahren könnte. Während der Anwesenheit von hunderten Menschen, die auf zwei 1,2 m breite Fluchttreppenhäuser angewiesen sind, ist es auch nicht realistisch, dass diese Fluchtwege freigehalten werden? Der Platz bietet sich eben sehr gut an, um dort Kühlschränke auf den Plateaus abzustellen.
Wer vom Fach ist, merkt bereits hier: das sind alles komplett niederschwellige Maßnahmen, praktisch das Einmaleins unseres Berufes. Der Minimalaufwand, der betrieben werden muss, um Veranstaltungen überhaupt durchzuführen.
Wenn das unrealistisch ist, dann sollten Veranstaltungen dort einfach nicht durchgeführt werden. Damals habe ich argumentiert: Freunde gefährden Freunde.
Auch ein Vereinstheater oder eine Kulturfabrik ist kein rechtsfreier Ort an dem man machen kann, was man möchte. Auch wenn für Vereine in der Regel eine Strafmilderung gilt, bei der Fahrlässigkeit nicht geahndet wird, so sind doch mindestens zumutbar, die Betriebsvorschriften der Versammlungsstättenverordnungen umzusetzen. Und das kommt wieder auch nicht von mir selbst und ist keine Meinung oder Drohung, sondern aktuelle Rechtsprechung.
Dann später aber von den Leuten beschuldigt zu werden, nur ob meiner Art und Weise, ohne die Inhalte meiner Argumentation und den Inhalten meiner fein säuberlich ausgearbeiteten Unterlagen zu beachten, ist ein Tritt in der Hintern. Aus einem Umfeld abzuhauen, bei dem das Hauptinteresse der Mitwirkenden manchmal allein darin besteht, sich an der vereinseigenen Bar volllaufen zu lassen, ist vielleicht dann doch eher gesund. Gerade der neue Vorstand hatte kein wirkliches Interesse daran, die Kufa zu einem Ort zu machen, der einerseits medientechnisch am Nabel der Zeit und andererseits auch ein Ort ist, an dem man mit einem möglichst geringen Risiko für Leib und Leben Veranstaltungen besuchen kann.
Ich hätte gerne gesehen, dass meine Vorschläge treuere Beachtung und Umsetzung finden. Und ja, ich hätte auch gerne mein Nickname auf den Flucht- und Rettungswegeplänen gesehen. Aber nun nach ca. 14 Jahren Vereinszugehörigkeit, habe ich erkannt, dass die Leute da einfach keine Veränderung wollen und die Kufa vor allem als Spielwiese begreifen, ihr freies Kulturschaffen auszuleben. Ohne diesen ganzen Verordnungs- und Regeldruck, der sonst woanders herrscht.
Damals hatte ich eine Einschätzung darüber abgegeben, wie viele Menschen man in die Räume der gesamtem Kulturfabrik einlassen darf, bevor es gefährlich wird. Nach allen Regeln der Kunst. Und vor allem mit einer dedizierten Maßnahmenliste, die dafür umgesetzt werden müsste. Heute bereue ich das sehr, denn das Letzte, was ich erfahren habe ist, dass die Kufa sich gewerblich mit meinen Zahlen vermietet. Mit „meinem“ ermittelten Fassungsvermögen, welches über dem damals behördlich genehmigten lag.
Die Kufa hat nur die Zahl behalten und verkauft sie jetzt an Dritte. Die Maßnahmen, die dazu notwendig würden, diese Zahl zu halten, die haben sie hinten runter fallen lassen. Und nun schaffen sie damit eine heiklere Situation als die die vorher herrschte, für Gäste und auch für Mitwirkende. Das bereue ich sehr. Auf deren Wunsch, das Fassungsvermögen zu beurteilen, hätte ich damals einfach sagen müssen:
„es gehe nicht darum, was jemand einschätzt, wie viele Leute reinpassen. Sondern darum, wie viele ihr reinlassen dürft!“
Und das hätte ich niemals alleine festlegen dürfen. Somit wird die Kufa jetzt immer mit einem illegalen Fassungsvermögen an Dritte vermietet. Wunderbar.
Übrigens (und das ist keinesfalls eine Drohung): die Konsequenzen für euch im Vorstand sind zivil- und strafrechtliche. Ihr könnt in den Knast gehen. Freunde, die Freunde gefährden, sind irgendwie keine Freunde.
(Für Fischer und Lars, in Gedenken an hunderte lustige Stunden im Windlicht bei Bier und Weed)
