Warum ich aus der Kufa austrat

Um welche Kufa es sich dreht, möchte ich an dieser Stelle nicht sagen. Stellt euch einfach vor, dass jede Kulturfabrik der Welt damit gemeint sein könnte, in jeder Stadt. Ob Berlin, oder Neuwarden.

Der Beginn meiner Eskalation mit dem alten, und leider auch mit dem neuen Vorstand, lag im Wunsch des Vereins langfristig eine rechtssichere Durchführung ihres Publikumbetriebs herzustellen. Als Meister hatte ich dazu mindestens eine Qualifikation die passen würde und als langjähriges Vereinsmitglied hatte ich auch die dazu notwendige Energie.

Ich fange von hinten im Jetzt an. Eines aber vorweg: mein Vorhaben ist kläglich gescheitert. Und das hatte viele Gründe, aber in erster Linie Ignoranz und meine eigene Unfähigkeit.

Jemand vom neuen Vorstand äußerte sich in einer Chatgruppe, dass ich mich in der Vergangenheit schon einmal mit Drohungen hervorgetan hätte. Bitte, what?

Das hat mich schon persönlich getroffen und habe erstmal gar nicht reagiert, weil ich auch perplex war. Was könnten die Kollegen in der Kufa damit gemeint haben? Ich las alte Mails nochmal durch und fand schließlich einen Hinweis. Ich habe der Kufa mehrmals mitgeteilt, dass bei Nichtbeachtung von (feuer-)polizeilichen Vorgaben der unteren Bausaufsicht (hier das maximale Fassungsvermögen zu überschreiten und aus dem Bereich vorbeugender Brandschutz), mit Konsequenz geahndet werden kann. Zivil- und strafrechtlicher Natur.

Nicht von mir (wie auch?), sondern der Gesetzgeber sieht diese Konsequenzen vor, wenn es zB zu Personenschaden durch überfüllte Räumlichkeiten kommen würde, oder durch einen lebensgefährlichen Stromschlag.

Das haben die Kollegen anscheinend so verstanden, dass ich selbst damit gedroht hätte, nämlich, dass ich sie in irgendeiner Weise anzeigen hätte können. Nichts liegt mir allerdings ferner als das. Wie absurd auch. Ein langjähriges Mitglied, das sich monatelang ehrenamtlich mit dem Thema „rechtskonforme Veranstaltungen im Vereinsumfeld“ beschäftigt hat, handelt auf jeden Fall erstmal aus Liebe zum Verein und zu den Menschen dort. Und auch ein Scheitern dieses Projektes aufgrund von ein paar ignoranten Besserwissern, die fachlich völlig unqualifiziert sind, die Dinge korrekt einzuschätzen, sorgt nicht sofort dafür, dass diese Liebe schwindet und man sich zu einem hassenden Anzeigeblockwart verwandelt, der seine Vereinsleute in die Scheiße reiten will.

Was die Leute in der Kufa nicht verstanden haben ist, dass in einem linken Vereinsumfeld es für mich noch mehr unverständlich ist, dass man so handelt. Ignorant und egozentrisch. Denn bei allen „Maßnahmen“, die ich innerhalb der Beratung der Kufa vorgeschlagen habe, stieß ich immer auf die Aussage: „das umzusetzen, ist leider nicht realistisch.“

Also ist es nicht realistisch, einen Fehlerstromschutz für den Außenbereich herzustellen? Oder nicht realistisch, eine Zählung der Gäste umzusetzen, und bei dem erlaubten Fassungsvermögen zu sagen: Einlassstop? Es ist nicht realistisch, dass keine leicht entzündlichen Stoffe im vereinseigenen Theater in großer Anzahl im Saal gelagert werden, während der Anwesenheit von hunderten Menschen, die auf zwei 1,2 m breite Fluchttreppenhäuser angewiesen sind, von denen eines immer mit Müll zugestellt ist? Oder ist genau dies nicht realistisch? Dass Fluchtwege frei gehalten werden und große Gastrokühlschränke nicht in ihnen aufgestellt werden?

Wer vom Fach ist, merkt bereits hier: das sind komplett niederschwellige Maßnahmen, praktisch das Einmaleins unseres Berufes. Der Minimalaufwand, der betrieben werden muss, um Veranstaltungen überhaupt sicher durchzuführen.

Wenn das unrealistisch ist, dann sollten Veranstaltungen einfach nicht von solchen Leuten gemacht werden. Damals habe ich argumentiert: Freunde gefährden Freunde.

Auch ein Vereinstheater oder eine Kulturfabrik ist kein rechtsfreier Ort. Auch wenn für Vereine in der Regel eine Strafmilderung gilt, bei der Fahrlässigkeit nicht geahndet wird, so sind doch mindestens die Betriebsvorschriften der Versammlungsstättenverordnungen zumutbar umzusetzen. Und das kommt wieder auch nicht von mir selbst und ist keine Meinung oder Drohung, sondern aktuelle Rechtsprechung.

Dann später aber von den Leuten beschuldigt zu werden, nur ob meiner Art und Weise, ohne die Inhalte meiner Argumentation zu beachten, zeigt mir einfach, dass es auch höchste Zeit wurde, dort zu gehen. Aus einem Umfeld abzuhauen, bei dem das Hauptinteresse der Mitwirkenden manchmal allein darin besteht, sich an der vereinseigenen Bar volllaufen zu lassen. Gerade der neue Vorstand, aber auch der alte Vorstand, hatten kein wirkliches Interesse daran, die Kufa zu einem Ort zu machen, der einerseits medientechnisch auch etwas an der Zeit ist und andererseits ein Ort, an dem man mit einem möglichst geringen Risiko für Leib und Leben Veranstaltungen besuchen kann.

Ich hätte gerne gesehen, dass meine Vorschläge treuere Beachtung und Umsetzung finden. Und ja, ich hätte auch gerne mein Nickname auf den Flucht- und Rettungswegeplänen gesehen, klar! Aber nun nach ca. 14 Jahren Vereinszugehörigkeit, habe ich erkannt, dass die Leute da einfach keine Veränderung wollen und die Kufa vor allem als Spielwiese begreifen, ihr egoistisches Kulturschaffen auszuleben. Ohne diesen ganzen Verordnungs- und Regeldruck, der sonst woanders herrscht.

Damals hatte ich eine Einschätzung abgegeben, wie viele Menschen man in die Räume der gesamtem Kulturfabrik einlassen darf, bevor es gefährlich wird. Nach allen Regeln der Kunst. Und vor allem mit einer dedizierten Maßnahmenliste, welche Dinge dafür umgesetzt werden müssten. Heute bereue ich das sehr, denn das letzte, was ich erfahren habe ist, dass die Kufa sich gewerblich vermietet. Und zwar mit „meinem“ ermittelten Fassungsvermögen, welches über dem behördlich genehmigten lag.

Die Kufa hat nur die Zahl behalten und verkauft sie jetzt an Dritte. Die Maßnahmen, die dazu notwendig würden, diese Zahl zu halten, die haben sie hinten runter fallen lassen. Und nun schaffen sie damit eine heiklere Situation als die die vorher herrschte, für Gäste und für sie selbst. Das bereue ich sehr. Auf deren Wunsch, das Fassungsvermögen zu beurteilen, hätte ich damals einfach sagen müssen: „es gehe nicht darum, was jemand einschätzt, wie viele Leute reinpassen. Sondern darum, wie viele ihr reinlassen dürft.“ Und das hätte ich niemals alleine festlegen können. Somit wird die Kufa jetzt immer mit einem illegalen Fassungsvermögen an Dritte vermietet.

Übrigens (und das ist keinesfalls eine Drohung!): die Konsequenzen für euch im Vorstand sind zivil- und strafrechtliche. Ihr könnt in den Knast gehen, ihr Idioten!

Freunde, die Freunde gefährden, sind keine Freunde.

(Für Fischer und Lars, in Gedenken an hunderte lustige Stunden im Windlicht bei Bier und Weed)