Sorry, Kontingent ist aufgebraucht!
Letztens bin ich über eine Bandansage einer Arztpraxis gestolpert. Dort hieß es, dass für die Untersuchung XY nur ein begrenztes Kontingent zur Verfügung stünde und sie darüber hinaus keine weiteren Termine vergeben „dürften“. Wenn einem das nicht gefällt, solle man sich bei der kassenärztlichen Vereinigung beschweren, bitte bitte nicht in der Praxis.
Es ist so: die kassenärztliche Vereinigung sagt, für die Untersuchung XY werden für zB 150 Termine 100% der Kosten vergütet. Bei 300 Terminen nur noch 70% und so weiter. Die Argumentation ist, dass man so auch sicherstellen möchte, dass bedarfsgerecht Untersucht wird. Sarkastischer Einwand: im Premium-Gesundheitsabo für nur 489,89 im Monat kriegen Sie aber auf jeden Fall eine Untersuchung, da kommt es dann nicht mehr auf das bedarfsgerechte Untersuchen an, sondern darauf, wie viel Geld sie mitbringen! Es gibt auch tibetischen Hochlandkaffee für unsere wartenden KundInnen!!!1!1!! KundInnen, die uns positiv auf jameda oder doctclit bewerten, bekommen unser Hodenkrebs-Früherkennungsangebot (nur ab 40)!
Also ist es nicht, weil die ÄrztInnen nicht „dürfen“, sondern weil sie nicht wollen. Weil es nicht wirtschaftlich wäre. Weil sie keinen Gewinn mehr machen können, die Rentabilität nachließe, man sogar Verlust schreibt. Welcome to se durchmonetarisiertes Gesundheitssystem in dem nur das stattfindet, was Geld bringt!
Side-Quest: der Unterschied von dürfen und können. Wenn ich nicht darf, dann ist es verboten. Wenn ich nicht kann, dann weil ich sich nicht dazu in der Lage sehe. Die Maschinen zur Untersuchung sind da, so ein MRT-Gerät steht, wie Autos, wahrscheinlich zu 80 % ungenutzt herum. Ok, vielleicht nur zu 36,83 %. Anderen zu verkaufen, man sei ein armer armer Arzt der nicht darf, obwohl man sich aber hauptsächlich aus rein wirtschaftlichen Gründen dagegen entschieden hat, ist eine Verzerrung von Zusammenhängen.
Somit bekommt jemand mit akutem Bedarf dann womöglich erst nach 4-6 Monaten eine Untersuchung, in der sich Beschwerden vllt schon als chronisch manifestiert haben. Super. Habe ich schonmal erwähnt, dass ich mich keinesfalls freuen würde, wenn morgen ein Allheilmittel für Krebs entdeckt werden würde? Warum?
Weil die Menschen erstmal rein gar nichts davon hätten und es ihre Situation wahrscheinlich überhaupt nicht verbessert, wenn sie wissen, dass es womöglich Heilung gäbe, aber sie leider leider einfach herkömmliche Ottos sind, die nur casual Kohle auf Tasche haben.
Von Deinen mickrigen 217,00€ Mindestbeitrag zur Krankenversicherung ist leider auch nicht mehr drin, was erwartest Du??? Das andere UMSONST ARBEITEN? Die Behandlung mit einem von einem Pharmariesen entwickelten fancy Molekül zB Lakritzolizumab 1 gegen Deinen Krebs, welches eigentlich nur geringfügige Benefits gegenüber anderen Stoffen hätte 2, die länger am Markt existieren, kostet allein pro Quartal 250.000 Euro 3.
Ich wink dann einfach nochmal aus dem Sterbebett 4! Tschüs Life, tschüs Krankheit, tschüs Kapitalismus, tschüs Welt, in der alles einen monetären Wert bekommt, weil Wichser Kohle machen wollen. Warum wurdest Du eigentlich nochmal Arzt, oder Ärztin? Bestimmt weil Deine Eltern Dir gesagt haben: „Du willst domma ausjesorgt haben, Kind! Da kannste sehr jut verdienen, dann musste auch nicht mehr diese verschlissenen Klamotten tragen!“ Ohhh, ist das zu polemisch? PAH! Das meine Gesundheit überhaupt der Gewinn anderer Menschen sein kann, geht nicht klar. Und das wir es als Gesellschaft nicht hinbekommen, Gesundheitsdienstleistungen einer überall verbreiteten menschenfeindlichen Verwertungslogik einfach mal komplett zu entziehen, straft jede nette Formulierung und Wortwahl einfach lügen. *wink*
