Old Pornstar Attitude (OPA)

Nirgendwo ist die Auslegung von Sicherheitsaspekten beliebiger als in meinem Beruf als Veranstaltungstechniker. Obwohl die Branchenstandards sehr eindeutig sind. Vor allem die Rudiments sind so klar, als wären sie Bestandteil des Regelwerkes des VDE. Was man anhand der Rechtslage und der Gesetze als gemeinsames Fundament bezeichnet, wird aber zuverlässig durch persönliche Coolnessfaktoren gefiltert und eindeutige Schutzziele werden verwässert. Ich habe in Einrichtungen gearbeitet, in denen die Materie der Veranstaltungssicherheit, MVStättVO, sowie Brandschutz und Standards der Technik vollkommen Unbekannte waren und selbst die einfachsten Dinge, wie das Freihalten von ausgewiesenen Fluchtwegen auf Unverständnis bei den Unternehmenden stieß.

Umso gehobener (oder prestigeträchtiger) eine Versammlungsstätte war, wie zB die Philharmonie Berlin, in der ich 3 Jahre lang als Bühnenmeister gearbeitet habe, um so mehr findet man im Grunde die gleichen Probleme und „Herausforderungen“, wie in der kleinsten hinterletzten Bude aus dem Industriegebiet Neukölln. Meine Erkenntnis lautet: Menschen sind schwierige Kreaturen und in einem Job liegt der Fokus nicht im Fachlichen, sondern im Verstehen und in der Betreuung und im Handling von Menschen.

Als ein Beispiel möchte ich hier meine letzte Erfahrung in einer Mehrzweckhalle in Berlin teilen. Dort war ich für ca. ein halbes Jahr angestellt, bevor ich wieder fluchtartig in den freien Markt gewechselt bin.

Dieser Text ist den Menschen aus meinem Büro gewidmet (allen), auch wenn wir uns niemals wirklich liebhaben werden. Für D., T., F., D. und M.

Die Tatsache, dass es im Berufsleben nicht nur um die fachliche Kompetenz geht, sondern vielmehr darum, sich mit menschlichen Befindlichkeiten und Eitelkeiten auseinanderzusetzen, hat mich schon immer ziemlich genervt. Deswegen war ich überwiegend als Selbstständiger unterwegs. So konnte mir keiner ans Bein pissen, mich mobben, oder gar chassen. Wenn es mir nicht gefiel, arbeitete ich halt nie wieder für einen Kunden. Meine hart erarbeitete, ganz bewusste Devise lautete: „nicht mehr mir Arschlöchern zusammenarbeiten.“

In den letzten Jahren habe ich quasi ausversehen die ein oder andere feste Stelle angenommen. Vor allem, weil mich die Einstellungswelle der Firmen beeindruckt hat, die sich von Nahles Politik getrieben eine solidere Personalplanungsgrundlage für die Zukunft wünschten. Und weil Freelancer zu beschäftigen plötzlich wirtschaftlich gefährlich wurde. Den Job in einer Mehrzweckhalle habe ich angenommen, weil es zu Beginn sehr gute Aussichten waren. Mich in der Praxis mit Großveranstaltungen, also über 5000 BesucherInnen, auseinander zu setzen, erschien mir günstig.

Als ich in dieser Mehrzweckhalle anfing, hieß es von den Kollegen dort, dass ich so ca. zwei Jahre benötigen würde, um alles zu durchschauen. What? Zwei Jahre? Da habe ich schon gedacht, wenn eine VfV zwei Jahre benötigen soll, bevor sie vollumfänglich einsatzbereit ist, ist entweder der Betrieb zu kompliziert, zu sensibel, oder man ruht sich zu sehr auf der Stelle aus.

Ich will das aber nicht falsch verstanden wissen. Dies hier ist kein persönlicher Rant und zielt nicht auf einzelne Personen, obwohl ich diesen Text gerne den Kollegen dort widme. Vielmehr befasst er sich mit meinem übergeordneten Kernthema der „flexiblen persönlichen Auslegung von Sicherheitsaspekten“ oder „ein Stand der Technik, der unter Coolnesssymptomen leidet“. Diese Mehrzweckhalle soll als Beispiel dienen. Und um das vorweg zu nehmen: die Größe ist vollkommen egal. Es läuft in einer kleinen Bude genauso beschissen, wie in einer großen, nur in einer großen mit mehr Stil und etwas vorsichtiger.

Wo in einem kleinen Verein noch das Für und Wider vom Freihalten der Fluchtwege einfühlsam diskutiert werden muss, liegen die Parameter anders bei einer großen Mehrzweckhalle, die Fließbandabfertigung im Tourbetrieb veranstaltet. Aus einer fachlichen Perspektive (zB der eines Meisters für VA-Technik) gibt es Grundsätze eines Standes der Technik, die wir einhalten wollen und auch gesetzlich dazu verpflichtet sind. So ist es ein Stand der Technik zB Arbeitsmittel nur bestimmungsgemäß, also für den Zweck zu verwenden, für den sie konzipiert wurden. Und verlasse ich ein bereits definiertes Schutzziel, muss ich für eine ersatzmäßige Maßnahme sorgen, um das gleiche Schutzpotential zu erreichen. Das muss ich nachweisen. Ich führe hier das gute alte Beispiel der elektrischen Sicherheit an, welches in vielen auch noch so großen Buden leider immer wieder viel zu kurz kommt. Im unteren Kulturbereich, also bei Vereinen und lose zusammenarbeitenden, ehrenamtlich Tätigen werden selbst die einfachsten Schutzziele als Gängelung oder als Übertreibung wahrgenommen.

Und genau diese „wir müssen das nicht so machen, wir können das machen wie wir wollen, wenn wir“-Möglichkeit sorgt für eine tagesformabhängige Auslegung der Schutzziele.

Als ich dort in dieser Mehrzweckhalle anfing, waren wirklich alle sehr zuvorkommend und vor allem aus den anderen Abteilungen ist mir aufrichtige Freundlichkeit entgegengebracht worden, von fast allen. Als man sich besser kannte und ich mehrmals live erlebt habe, wie die KollegInnen arbeiten, was ihnen wichtig ist, worauf sie ihrerseits den Fokus legen, bot sich die Gelegenheit zum Lernen dieser anderen Haltungen und Herangehensweisen. Genau das wollte ich ja. Innerhalb der Firma gab es den selbstgesteckten Grundsatz, dass keine Frage unpassend ist und diese immer gestellt werden sollte. In dieser Hinsicht waren die Akteure mit Gesaltungsmacht auch recht offen. Doch nur solange man die Fragen nicht als Kritik verstehen konnte. Wenn ich zB den Dienstältesten, dessen Mindset in diesem Text in erster Linie thematisiert wird, frage, ob er aus seinem Empfinden heraus einschreiten würde, wenn Rigger im Dach sind, am unteren Arbeitsplatz aber niemand einen Kopfschutz trägt, oder den Bereich freihält – und dieser antwortet, dass das doch klar sein sollte, weil der VfV der Produktion doch eine Pflichtenabgrenzung und Belehrung (sog. Unterweisung) von uns unterzeichnet hat, dann ist die ehrbare Haltung einer Informationsoffenheit einfach nur Makulatur. Insbesondere dann, wenn ein anderer VfV des Betreibers aus unserem Büro das komplett anders sieht und die Frage bejahen würde, also nicht mal Einigkeit in der Interpretation herrscht. Dazu ist die Gesetzeslage, bzw. Auslegung der Vorschriften ja nun recht eindeutig.

Montag 09:30 Uhr, nach einer Woche Krankschreibung innerhalb der Probezeit.
Das Büro ist voll besetzt, jeder geht ruhig seiner Beschäftigung nach. Ich sitze vor meinem Dienstrechner und drehe innerlich Däumchen. Das geht jetzt schon so, seit ich dort vor 5 Monaten angefangen habe, obwohl die ersten Wochen durchaus interessant waren, verflog die Begeisterung sehr schnell. Auch weil diese Firma unter einem Aspekt besonders leidet; sie ist Tochter eines übergeordneten Mutterkonzerns und somit noch starrer, als Organisationen der öffentlichen Verwaltung. Durch fehlende Berechtigungen der IT, kann ich die meisten Ressourcen auf dem Dienstrechner nicht nutzen und habe somit keine Aufgaben, die ich unbetreut abarbeiten hätte können. Selbst die studentische Hilfskraft hatte mehr zu tun als ich. Passt aber ins Bild, wenn man davon ausgeht, dass ich zwei Jahre benötigen würde, um voll zu arbeiten. Ich komme aus einem Umfeld, welches ich mir zum größten Teil für meine Arbeit selbst gestalten konnte. Das bedeutet, nützliche digitale Tools verwenden kann, wie zB … einen Kalender. Allein die Tatsache, dass man dort auf einem analogen Magnetkalender lustige Buttons rumschiebt, zeigt mir als Neuling, dass man sich mit der Situation abgefunden hat. Unterschätze niemals die Magnetkraft eines bereits etablierten Kalenders. 🙂 Den wird man so schnell nicht aufgeben. Die erzwungene Untätigkeit, gegen die man leider leider nichts machen konnte und die Tatsache, dass es eine unfassbar nervenaufreibende und auf Windows basierende EDV-Infrastruktur gibt, die sich seit den 90ern nicht geändert zu haben scheint, entwickelte sich in mir schon zu einem Konflikt. Denn ich denke einerseits, dass man als Firma somit ziemlich effektiv Kohle aus dem Fenster wirft, einen Kollegen umsonst zu beschäftigen, andererseits wollte ich nicht meine Lebenszeit damit verschwenden, jeden Tag neun Stunden an einen Ort zu gehen, nur um dort meine Zeit abzusitzen, weil mich ein Vertrag dazu verpflichtet. Ich hatte wieder das alt bekannte Gefühl des Stillstandes und der Sinnlosigkeit und bereits nach drei Monaten überlegte ich das erste Mal, was ich hier eigentlich mache.

Der deutlich gravierendere Konflikt schwelte aber offentsichtlich mit dem Dienstältesten, der in dieser Firma eine besondere Stellung genießt und der die eigentliche Personalentscheidung maßgeblilch beeinflusst hat. Vor meiner Krankschreibung bin ich mit zwei Kollegen etwas aneinander geraten, als sie sich unzumutbar in meinen Mailverkehr mit einem Drittdienstleistenden bzgl eines Projektes einmischten. Ich bat beide daraufhin freundlich, so etwas zukünftig sein zu lassen und den Weg über mich, die betreuende Projektleitung, zu gehen. Wobei ich mir dachte, dass überhaupt erklären zu müssen, ist schon irgendwie nervig. Will mir gar nicht ausmalen, wenn es andersherum gelaufen wäre.

Mit passiver Aggressivität kann ich nicht so gut umgehen und erkenne diese auch nicht sofort. Der Old-Pornostar-Attitude (OPA) antwortete sinngemäß und etwas kryptisch auf meine Ermahnung, dass ich anscheinend des Öfteren mit zweierlei Maß messen würde. Das habe ich gar nicht verstanden und er ließ mich daraufhin auch im Unklaren. Eine offene Konfrontation deswegen schien mir aber vergeudete Energie und ich habe nicht weiter nachgefragt. Ich versuchte positiv zu bleiben. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass er damit eine bestimmte Situation mit einem Bühnentechniker ansprach, als wir vor ein paar Wochen gemeinsamen Dienst hatten.

Der OPA sagte dem Bühnentechniker, er könne eine Fluchttreppe für unsere Bühne ruhig mit Gaffertape zusammenbinden und fixieren, weil gerade irgendwelche Schrauben fehlten. Whatt? No. In unserem Beruf nutzen wir Gaffertape ausschließlich für Markierungen oder um etwas mal festzukleben an einer Tür. Aber eine Treppe, die potentiell von vielen Flüchtenden unter großer Dynamikeinwirkung genutzt werden könnte, verbinden wir doch nicht mit Gaffer! Man stelle sich hierbei vor, dass die Treppenteile mit BesucherInnen oben drauf auseinandergleiten. Aus meiner Perspektive ist das ziemlich kurios. Das widerspricht den oben angesprochenen Standards vollständig, weil weder der Hersteller des Gaffers eine verbindliche Aussage darüber getroffen hat, wie hoch und dynamisch man verschiedene Lagendicken seines Tapes verwenden kann, bei einer definierten Kraft, die es auszuhalten vermag. Kurz: das ist keine bestimmungsgemäße Verwendung. Zumal die Arbeit des Bühnenkollegen auch sonst in der gelebten Praxis nicht weiter kontrolliert wird. Es wird da einfach eine Anweisung gegeben, die eine Praxis schafft, nach der wir in der Veranstaltungstechnik einfach nicht arbeiten wollen. Es ist ein wenig so, wie einen Groundsupport auf Europaletten abzulegen. Kann man machen, ist aber echt scheiße.

Wo kommt das her, dass man so vorgeht? Denn bereits zu den Ausbildungszeiten des OPAs waren diese Gründsätze die Basis für vernunftbasiertes Handeln in unserer Branche und der eigentliche Grund, dass wir in der BRD keine großartigen Unfälle auf Veranstaltungen erleben, ganz im gegensatz zum entfernten Ausland, die oft nicht über so ein detailliertes Regelwerk aus dem Brandschutz und dem Stand der Technik verfügen.

Ich ging später nochmal zu dem Kollegen Bühnentechniker – ohne OPA – und schlug ihm vor, doch lieber eine Ratsche zu verwenden, die wenigstens herstellerseitig eine gewisse Erwartbarkeit lieferte, was die Fähigkeit zur Kraftaufnahme betraf. Dennoch war ich so ehrlich, das ich das Thema später nochmal beim OPA ansprach, sodass er sich in seiner Ursuppe nicht angegriffen fühlte, wenn er es über Hintertüren doch erfahren sollte. Insofern war ich mir schon bewusst, dass ich damit in seinen Wirkungsbereich hineinregierte, aber ich war wenigstens so ehrlich und habe ihm das nachträglich mitgeteilt und vor allem: ich konnte meine Entscheidung argumentieren und voll dahinter stehen.

Es ist für mich auch das ausschlaggebende Kriterium für ein Team. Ein Team besteht aus mehreren Augenpaaren, die zusammen besser gucken können, als einer allein. Wenn aber der eine sich von dem anderen auf den Schlips getreten fühlt, wenn er dieses zweite Augenpaar auch nutzt und die Beobachtungen mitteilt, dann widerspricht das meiner Auffassung von einem Team. Wie kann sich ein gestandener Meister seines Fachs von einem Neuling, der auch Meister seines Fachs ist, angepisst fühlen, zumal die PRÄMISSE der Zusammenarbeit die Einarbeitung war, also insofern dadurch auch beurteilt werden sollte, inwieweit ich geeignet bin, um in einem Team zu wirken?

OPA war anscheinend überhaupt nicht erfreut über mein zweites Augenpaar, welches auch nur deswegen so genau hingesehen hatte, weil er in der Einarbeitung war. Mindestens dermaßen nicht erfreut, dass er dies als Argument in unserem Zwist nutzte. Also war seine Kritik: ich bewerte meine Interessen wichtiger, als seine und setze mich meinerseits über Hierarchien hinweg, ergo trete absichtlich in seinen Einflussbereich.

So verdichteten sich dann alle schwelenden Zwistigkeiten über die Zeit. Befeuert von weiteren Situationen, in denen er anderen über den Mund fuhr, ihnen harsch das Reden verbat, oder schlicht ihm unterstellte Techniker mit nicht zutreffenden Harvariemeldungen auf die Matte zitierte, nur um sich über sie lustig zu machen, während er mit hochgelegten Füßen seinen Kaffee schlürfte. Toxic as fuck. Coolness sieht anders aus. Persönliche charakterliche Eignung als VfV? Müssen wir mal drüber sprechen.

Was ich auch besonders liebe und wahrscheinlich jeder Mensch, der gerne respektiert wird, ist, wenn sich jemand demonstrativ mit dem Rücken vor einen stellt, oder hinsetzt. Es sind manchmal auch ganz unbewusste Kleinigkeiten die die wahre Haltung einer Person einem selbst gegenüber zeigen. Kleinigkeiten die ehrlicher sind, als eine immer wiederholte Firmenphilosophie. Die sind nämlich immer alle gleich, dazu muss man nur die Stellenanzeigen lesen und die Selbstdarstellungen der Firmen unter die Lupe nehmen. Alle sind mächtig inklusiv, respektvoll, wertschätzend und so weiter. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem persönliche Befindlichkeiten von toxic Typen verletzt werden, die mit passiver Aggrohaltung reagieren. Kann ja auch nicht sein, dass da eine Null kommt, um einem zu erzählen, wie man den eigenen Job machen soll, den man schon seit dreißig Jahren erfolgreich so macht. Und: das habe ich Dir doch schon erzählt.

Doch nicht nur die Alten und Opas sind ein Problem. Selten sind die Leute in Schlüsselpositionen (und als Meister bist Du immer in dieser Schlüsselposition) wirklich prinzipiell so inklusiv, dass sie es sogar vielleicht wertschätzen würden, wenn sie von außen einen Input bekommen, der ihrem bisherigen Jobbild widerspricht, dass es auch um die Bereitschaft eines gegenseitigen Lernens geht. Jugend forscht für Olympia auch in der Chefetage!

Doch aufgrund der Tatsache, dass ich das bisher nirgendwo erlebt habe, muss ich davon ausgehen, dass mein Wunsch eine Utopie ist und die impulsivsten und damit gleichzeitig ehrlichsten Affekte eher die Wahrheit sind, als die Versprechungen in schöngeschriebenen Werbetexten: eck nicht an, halt die Fresse. Sonst kannst Du Dich verpissen.

Nochmal, es geht hier nicht um das Bashing von Personen, sondern um das Bashing eines Mindsets, welches ich anhand konkreter Situationen beschreiben will und die können für die verehrten Lesenden auch durchaus mal erfunden oder dramaturgisch angepasst sein.

Selbstständiger Meister oder VA-Techniker sein, ist für mich nie ein angenehmer Beruf gewesen, in dem man zB viele Erfolgserlebnisse teilt, oder sich feste Bande bilden auf die man zurückblicken kann, die nachhaltig zB sowas wie freundschaftlich sein könnten, zumindest nicht auf Respekt und Loyalität basieren. Der Beruf war schon immer ein Ellbogenjob, bestehend aus einzelnen Individuen, die zB auch eine gewerkschaftlich organisierte berufliche Daseinsform immer komplett abgelehnt haben. Die wichtigste Kompetenz? Schlagfertigkeit. Sich gegen Wichser wehren, um sich zu verteidigen. Ich habe oft gehört, dass zum guten Teamplay eben auch gehört, solche Leute aushalten zu können. Das es ein Merkmal von Professionalität ist, mit derartigen Situationen auf der Arbeit umzugehen, sich selbst nicht so wichtig nehmen und sich schön zurückhalten. Umgehen meint hier, dass man eine so dicke Haut hat, dass alles an einem abprallt. Den Leuten mit diesem Argument habe ich immer gesagt, dass nicht die Unfähigkeit mit solchen Situationen klarzukommen bei mir maßgeblich ist, sondern vielmehr mein Unwille. Das ist ein großer Unterschied.

09:35, im besagten Büro.
Mr. Old-Pornostar-Attitüde eröffnete mir unter voll versammeltem Büro, dass er mich – ich zitiere wörtlich – für einen „besserwisserischen Korinthenkacker“ hält und denkt, dass ich nicht ins Team passen würde. Er sprach in der dritten Person demnach auch für die anderen Anwesenden, die ihrerseits nicht dazu reagierten oder widersprachen. Nachträglich schon irgendwie lustig, in Anbetracht der natürlichen persönlichen und fachlichen Unzulänglichkeiten aller Anwesenden, die man definitiv findet, umso genauer man hinschauen würde. Naja, was folgte war meine spontane Verteidigung, angesichts dieses unangekündigten öffentlichen und aufgezwungenen Mitarbeitergespräches mit inlusivem Charakter. Ich lief daraufhin aufgeregt zur Chefin und platze heraus, dass ich innerhalb der Probezeit kündigen werde und heulte dort etwas rum. So richtig verständisvoll war das dann aber nicht und ich hätte es besser sein gelassen – wenn ich weiter hätte da bleiben wollen.

im Gespräch mit ihr erfuhr ich, dass die anderen Kollegen alle schon mit einem Feedback zu ihr gekommen sind, wie sie die Zusammenarbeit fanden und mich einschätzten. Nebst ihrer Vermutung, dass meine Krankschreibung psychosomatischer Natur sein könnte, reichte sie eigentlich nur Kritik weiter. Wie ich das finde, dass sie diese Situation für Kritik nutzte? Naja. Sie hätte ja eine Ausbildung in diesem Bereich. (Und findet Desktop-Ferndiagnosen sinnvoll und praktikabel.)

Ich würde mich oft verpäten. Klar bei sowas wie einer Gleitzeitregelung und einem Nichteingebundensein als Mitläufer. Und ich würde den Fokus falsch setzen. Sie meint wahrscheinlich den Fokus auf sichere Begehbarkeit von Treppenstufen nach der Einhaltung der ehemals BGV C1, zu der wir uns alle per Pflichtenübertragung in der täglichen Praxis verpflichtet haben. Oder wie den Fokus den ein Kollege hat, dem es völlig scheißegal ist, ob bei seiner Sportveranstaltung einem nach zwei Minuten schon die Ohren ernsthaft klingeln, weil es überlaut ist. Tja, kann man nichts machen, nech?! Oder die Auffassung im Team, was Aufsicht und Delegationspflicht eigentlich bedeuten, was komplett indviduell und unterschiedlich gehandhabt wird, je nachdem, wer gerade Dienst hat, ganz nach dem oben beschrieben Gusto.

So steht eine Kollegin eine Veranstaltung über nur am FOH und macht nicht einmal eine Runde und ist auch über Funk nicht erreichbar, weil sie die Veranstaltung mitverfolgen möchte. Prioritäten halt. Fokus. Aber das Verletzendste war: man könne sich vermutlich in einem Krisenstab nicht auf mich verlassen. Wtf? Ich liebe so Vorausurteile mit überstrahlendem Corona-Effekt!

Ok, gefressen, die Kollegen denken, ich passe nicht ins Team. Dafür ist eine Probezeit ja auch da, um genau das herauszufinden. Und diese Abneigung ist ganz die meine, Leute mit so einer Attitüde können nicht mein Team sein. In so einer Firma möchte ich gar nicht einen Drittel meiner Lebenszeit verbringen. Und ganz ehrlich: dafür, dass ich die Unternehmerpflichten hins. Veranstaltungssicherheit und dem Arbeitsschutz eigenverantwortlich wahrnehmen soll, aber dafür genau so viel verdiene wie ein Beleuchter in der Deutschen Oper, bin ich lieber wieder mein eigener Chef und verdiene drei Mal so viel, mindestens aber das Doppelte. Da helfen dann auch keine Nüsse und keine Rohrperle mit Sprudel in der Küche, oder erzwungene tägliche Sitins zum Mittag, bei denen gerne über andere Kollegen gelästert wird. Hach, Menschen und Küchen.

Die Old Pornstar-Attitüde (OPA) wird nicht ausschließlich nur von Männern gelebt, sondern auch von Frauen mit Macht, die einen dicken Penis haben (OMA). Irgendwann haben wir das alle mal gelernt. Es geht zu 20% um fachliche Eignung oder Deine bekackte Qualifikation, aber zu 80% darum, nicht anzuecken, den Machtbereich der anderen nicht zu betreten, sich aber gefallen zu lassen, dass Dein eigener betreten wird; das genau bedeutet angestellt sein. Freundlichkeit wird als Schwäche gehandelt und falsche Freundlichkeit als Professionalität verkauft. Der/die mit den kräftigsten Ellbogen gewinnt einen Preis.

Ich werde übrigens jetzt umschulen und bin in naher Zukunft Fachkraft für Arbeitssicherheit. Grüße an F, ich machs besser als Du, garantiert! Das ist glaube ich viel gesünder, als immer meine Reputation und berufliche Zukunft aufs Spiel zu setzen, wenn ich für andere die Unternehmerpflichten wahrnehmen soll. Als Fasi bin ich nur beratend tätig und verdiene 80k im Jahr. Dann kann ich endlich mal drauf scheißen, auf Eigenverantwiortung. Ob die Pimmel den Arbeitsschutz einhalten, oder sich verletzen, geht mich dann nüscht mehr an – ich habe wenigstens drauf hingewiesen. Dann passe ich vielleicht auch besser in Teams.

Auf die Pornoindustrie, auf OMA und OPA! <3