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Ich stelle mir die Frage, ob es sich überhaupt wirklich lohnt diesen Kampf um unser Online Leben zu führen. Einmal der riesengroße Zeitverlust beim ständigen Aufbäumen gegen den missbräuchlichen Umgang unser aller Onlineleben und dann die immer absurder werdenden Widerstände von Big-Tech und Staatsmacht, was unsere digitale Freiheit und unsere Wahlmöglichkeiten betrifft. In den letzten Jahren sind wiederholt die Begehrlichkeiten gewachsen unsere Onlinefreiheit in einem so großen Maße einzuschränken, dass man überhaupt gar nicht mehr von irgendeiner Freiheit sprechen könnte, sollten die Vorhaben so umgesetzt werden. Chatkontrolle, Vorratsdatenspeicherung, Auswertung von Onlinedaten für die prophylaktische staatliche Überwachung aller Menschen durch Strafverfolgung. Sowie der globale Missbrauch unserer Daten durch Geheimdienste. Wo soll das alles hinführen? Zuletzt hat das FBI in den USA digitale Freiheitsleute als Extremisten kategorisiert und auch hierzulande nennt man das Aufbäumen gegen ein Unrecht beim Verfassungsschutz mindestens verdächtig und unterzieht Menschen, die sich für digitale Rechte einsetzen (oder für unser Klima) einer Vorverurteilung. Du giltst zukünftig vielleicht als Extremist, wenn Du Google vermeidest, Open-Source Programme schreibst, die es Menschen ermöglichen, sich zu wehren und siehst Dich eventuell auch staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Oder wenn Du Dich dafür einsetzt, dass KI Modelle sich nicht an der Kriegsführung beteiligen dürfen, weil Du nicht willst, dass autonome Waffensysteme Menschen killen können.
Dieses Aufbäumen hat gefühlt in der Gesellschaft einen so großen Effekt, wie Krümel eines Toastbrotes. Der Einfluss von AktivistInnen und digitalen Freiheitskämpfenden ist gefühlt so gering, weil man stets den Eindruck gewinnt, dass es einem überwiegenden Teil der Gesellschaft komplett scheiß egal ist, ob sie ein Handy mit GooglePlayServices verwenden, oder ob ihr cooles so hilfreiches ChatGPT Programm, welches sonst ihre Bewerbungen schreibt, im nahen Osten Kinder tötet.
Es ist zum wahnsinnig werden, dagegen immer wieder auch emotional anzustürmen. Und ich frage mich ernsthaft, ob es das alles überhaupt Wert ist. Für eine Technologie die uns zwar allen eine große Spielwiese ist und immer mehr unser analoges Leben bestimmt. Eine Technologie, die uns nachweislich einsamer macht, als wir es ohne ihre Nutzung wären: wenn es so vielen Leuten doch eigentlich echt Wumpe ist, ob Stockhandies sie ausspähen, perfide Onliedatenkrakenhändlerfirmen Wahlen beeinflussen und die Menschen sich damit komplett abfinden, das 2100 Firmen an ihren fetten Milchzitzen saugen, während sie ihre paar Habseeligkeiten auf ebay-kleinanzeigen.de verticken.
Das RKI hat in seinem Jahresbericht Einsamkeit als Grund für eine Zunahme von Depressionen unter jüngeren Menschen genannt. Oder wie der Begriff „Vereinzelungsmaschinen“ geprägt wurde, die uns alle in einer Welt gefangen machen, die uns zwar soziale Teilhabe vorgaukelt, aber durch die uns in Wahrheit das Wesentliche unserer Menschlichkeit abhanden kommt: analoge Nähe. Oder wie zuletzt berichtet wurde, dass immer mehr jüngere Menschen psychische Probleme haben. Soziale Netzwerke waren für mich schon immer antisoziale Netzwerke.
Ob es Twitter, Facebook, toxic TruthSocial, Friendica, das mastodoner Fediverse oder alle anderen sind: sie alle sind darin gleich, nämlich zu begünstigen, dass wir uns im echten analogen Leben nicht mehr mit dem Arsch angucken. Die einen Plattformen machen das nur besser als andere. In der Ubahn in Berlin stehe ich jedes Mal als einer der Wenigen ohne ein Handy in der Hand rum und komme so fern von allen vor, regelrecht als Fremdkörper. Wenn ein Mensch Langeweile an der Bushaltestelle verspürt, greift er automatisch zum Handy und jeder andere anständige Umstehende, würde nicht in ein Gesprch mit der Person treten wollen um ja nicht zu stören. Stell Dir vor, die Menschen stehen da und sind ohne ihr Handy gelangweilt. Wie schnell käme ein Gespräch auf, weil man es ihnen ansieht? Weil der Raum überhaupt dafür da wäre, ein Gespräch zu beginnen! Oder stelle Dir vor, dass es überall in der Stadt wieder Lesekreise geben würde, zu denen nicht nur 3 Leute kommen! Kleine Funken Hoffnungssplitter sind für mich, wenn ich heute Leute sehe, die – man mag es kaum aussprechen – Spiele spielen. Ich meine in der Öffentlichkeit! BRETTSPIELE! Wtf? Da möchte man sich gleich nebensetzen und einfach nur genießen, dass diese Menschen ihre Analogskillsets pushen. Was das auch für eine Einladung für andere ist, überlegt mal. Wann hast Du das letzte Mal überhaupt sowas gesagt wie:
„darf ich mich dazusetzen und vielleicht mitspielen?„
Vielleicht sollten wir in Anbetracht der übermächtigen Begehrlichkeiten die geldgeilen, missbrauchenden BigTech-Wichser alle in ihrem beschissenen Internet alleine lassen, welches sie in den letzten Jahrzehnten von uns Menschen gestohlen haben. Dann können sie sich gegenseitig die Genitalien massieren und sich geil vorkommen, dass sie coole Businesses aufgezogen haben, für die sich dann aber keiner mehr interessiert.
Und wir ignorieren uns dann einfach wieder, wie früher, im analogen Leben. Das finde ich allemal besser, als mich auf eine technologische Zukunft zu verlassen, die auf der Lüge der Teilhabe und Partizipation begründet wurde.
Der einzige Kampf, den es wahrlich lohnt zu kämpfen, ist der gegen Digitalzwang. In diesem Sinne, wie in der Sendung mit der Maus: schalt mal wieder ab! Oder wars eine andere Sendung, vor die uns unsere Mütter immer gesetzt haben, wenn sie keinen Bock auf unser Generve hatten? Ich weiß es nicht mehr.
